Walter Giers, Schwarze Hände, 1972.

Aktuelle Ausstellungen: "Walter Giers, Einfach machen", und "Glanzstücke, Lichtkunst aus der Sammlung"

Beide Ausstellungen werden vom vom 19. Oktober 2025 bis zum 19. April 2026 gezeigt.

Das Museum Ritter präsentiert zu seinem 20-jährigen Jubiläum im Erdgeschoss eine feine Auswahl leuchtender Werke aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter. Parallel ist im Obergeschoss eine retrospektive Soloschau zum vielseitigen Schaffen des Künstlers Walter Giers zu sehen.

Walter Giers. Einfach machen!

Walter Giers (1937–2016) zählt zu den Vorreitern der elektronischen Kunst. Mit seinen interaktiven Spielobjekten und seinen ausgeklügelten Klang- und Lichtarbeiten steht sein Schaffen in der Tradition von Konstruktivismus, Kinetik und Lichtkunst. Dabei war Walter Giers als Künstler Autodidakt. 1959 kam der ausgebildete Metallgraveur und vielseitige Jazzmusiker nach Schwäbisch Gmünd, wo er zunächst als Industriedesigner tätig war. Getrieben von seiner Begeisterung für ästhetische, akustische und technologische Fragen, schuf er Ende der 1960er-Jahre aus elektronischen Bauteilen seine ersten zweckfreien Werke, die er als "Nonsens-Design" und "Spielobjekte" bezeichnete. Der Einsatz von Zufallsgeneratoren ab 1973 wurde für ihn zu einem Wendepunkt; von nun an konnten seine Objekte ein Eigenleben entfalten und eine komplexe Wechselbeziehung mit dem Publikum herstellen.

Mit mehr als 40 Exponaten aus vier Jahrzehnten gibt die Werkschau Einblick in die multi-medialen Facetten eines Schaffens, das sich zwischen Kunst, Design, Musik und Technik bewegt. Ausdruck dieses interdisziplinären Ansatzes ist, dass die in vielen Objekten sichtbaren Lautsprecher, Widerstände und Leiterbahnen nicht nur eine elektronische Funktion erfüllen, sondern immer auch als Gestaltungsmittel dienen.

Die Bildobjekte, Plastiken und Installationen von Walter Giers sprechen unseren Seh-, Hör- und Tastsinn unmittelbar an. Beim Erleben seiner Werke werden wir überrascht, belustigt oder entspannt, manchmal auch irritiert oder emotional überfordert. Einfach machen! ist eine Aufforderung des Künstlers an das Publikum, seine passive Rolle aufzugeben. Die Losung drückt zugleich das Selbstverständnis eines Künstlers aus, der weniger dank Inspiration als vielmehr durch Tüfteln, Ausprobieren und Experimentieren seine "spielerischen Kommunikationsinstrumente" entwickelte.

Glanzstücke. Lichtkunst aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter

In der neuen Sammlungspräsentation beeindrucken rund 20 Arbeiten gleichermaßen durch ihre sinnliche Wirkung wie durch ausgefeilte visuelle Effekte. Die Werke spannen einen zeitlichen Bogen von den frühen 1960er-Jahren bis heute und stehen für ein kontinuierliches Interesse von Kunstschaffenden am gestalterischen Potenzial von Licht. Denn Licht ist Medium und Metapher des Sehens wie auch der Erkenntnis. Es macht sichtbar und lenkt den Blick auf das Kunstwerk; zugleich wirkt es mit seiner Strahlkraft in den Raum hinein.

Kunst mit und aus Licht hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt der Sammlung entwickelt. Im Fundus der Kollektion befinden sich etliche historische Beispiele der Lichtkunst der Nachkriegszeit, die in Europa um 1960 herum mit Bewegungen wie ZERO in Düsseldorf, der französischen GRAV und der italienischen Arte Programmata einen ersten Höhepunkt erreichte. Beflügelt von einem Geist des Aufbruchs, reizten damals progressive Künstlerinnen und Künstler die besonderen Eigenschaften von Licht vermehrt kreativ aus. Indem sie Leuchtstoffröhren oder Glühlampen mit Elektromotoren und industriell produzierten Materialien wie Linsen, Aluminium, Wellen- oder Plexiglas kombinierten, erzielten sie über-raschende Wahrnehmungseindrücke.

Ausstellungsbeteiligte: Werner Bauer, Angela Bulloch, Karl Gerstner, Christian Herdeg, Hans Kotter, Brigitte Kowanz, Heinz Mack, Yoshiyuki Miura, François Morellet, Maurizio Nannucci, Miriam Prantl, Betty Rieckmann, Annette Sauermann, Hans Schork, Paolo Scirpa, Regine Schumann, Grazia Varisco.