Hans Thoma zum 100. Todestag
Die Städtische Wessenberg-Galerie in Konstanz zeigt Werke des bedeutenden deutschen Künstlers
Einst wurde er zum „Lieblingsmaler des deutschen Volkes“ erklärt. Hans Thoma war zu Lebzeiten einer der bekanntesten und erfolgreichsten Künstler Deutschlands. Vor 100 Jahren starb er hochbetagt in Karlsruhe, wo er mehr als dreißig Jahre seines Lebens verbrachte.
Hans Thomas künstlerische Anerkennung stellte sich erst spät ein. Der 1839 in Bernau im Schwarzwald Geborene war bereits 51 Jahre alt, als ihm 1890 eine Ausstellung in München den lang ersehnten Durchbruch bescherte. Ab da ging es bergauf. Noch vor der Jahrhundertwende wurde er zum Professor an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe berufen und zum Direktor der dortigen Kunsthalle ernannt.



Trotz des Direktorenamtes, das er erst 1919 niederlegte, war Thoma künstlerisch äußerst produktiv. Er schuf nicht nur fantastische Neuinterpretationen mythologischer und christlicher Motive, sondern auch heimatliche Landschaftstücke des Schwarzwalds, des Taunus-Gebirges und der Oberrheinebene, die ihn zum nationalen Malerstar werden ließen. Doch auch im Portraitieren gelangte Thoma zu Ruhm: Auf der Mainau stand ihm der Großherzog von Baden Modell. Mit seinen Grafiken und Gemälden stillte Thoma in Zeiten der Industrialisierung die Sehnsucht der Betrachter nach einem Leben im Einklang mit der Natur.
Hans Thomas kaiserzeitliche Popularität und seine nationalkonservative Haltung führten posthum zu einer Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten, die ihn als vermeintlich urdeutschen Heimatmaler verklärten. Hinzu kommt, dass Thoma in Briefen zuweilen Anschauungen eines politischen Antisemitismus geäußert hatte und so für den Nationalsozialismus anschlussfähig erschien. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er zunehmend in Vergessenheit. Sein Werk rückte erst in den letzten Jahren in den Fokus einer kunstgeschichtlichen Neubewertung.
Die Ausstellung „Hans Thoma. Beseelte Natur“ beleuchtet mit rund 80 Druckgrafiken, ausgewählten Gemälden und Arbeiten seiner Schüler wie Karl Hofer, Otto Marquard und Emil Rudolf Weiss Leben und Werk des Schwarzwälders. Den Grundstock bilden Grafiken, die durch eine umfangreiche Schenkung 2020 in die städtische Sammlung gelangten. Sie waren teils schon 1939 in den Konstanzer Räumen zu sehen und kehren nach 85 Jahren erstmals dahin zurück.
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