Karl Hubbuch, Selbstbildnis, wütend, 1922. Posthumer Abzug. Kunstmuseum Karlsruhe.

Expressiv! Grafik von Dürer bis Schlichter

23. Mai bis 04. Oktober 2026 im Kunstmuseum Karlsruhe.

Das Kunstmuseum Karlsruhe präsentiert erstmals umfassend die Schätze seiner grafischen Sammlung: Rund 250 Werke von Dürer über Rembrandt und Schlichter bis Dumas spannen einen Bogen über fünf Jahrhunderte menschlicher Emotionen.

Ein schmerzverzerrtes Gesicht, zum Himmel erhobene Arme, ein leises, kaum wahrnehmbares Lächeln oder zerwühltes Haar: Die Bildsprache der Gefühle ist universell und wird unabhängig von Zeit und Kultur verstanden. Die Ausstellung "Expressiv! Grafik von Dürer bis Schlichter" beleuchtet zentrale Bestände der eigenen Sammlung aus neuen Perspektiven und zeigt in thematischen Räumen, wie Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten die innere Gefühlswelt sichtbar machen.

Von Albrecht Dürer über Rembrandt und Guido Reni bis zu Käthe Kollwitz und Rudolf Schlichter entfaltet sich ein breites Spektrum künstlerischer Strategien. In rund 250 Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem 15. bis 21. Jahrhundert präsentiert das Kunstmuseum Karlsruhe facettenreiche Annäherungen an menschliche Emotionen.

Tronie und Ich-Spiele: Rembrandt, van Ostade, Dumas

Was zeigt ein Gesicht wirklich? Bereits im 16. Jahrhundert entwickelten niederländische Künstler das Genre der "Tronie" – Studien von Köpfen und Gesichtern, die oft anonyme Figuren darstellen. Die in der Ausstellung präsentierten Studien zeigen, mit welcher Genauigkeit Dürer, Rembrandt und ihre Zeitgenossen Mimik und Gestik beobachteten und darstellten. Diesen historischen Positionen stellt die Ausstellung zeitgenössische Arbeiten gegenüber: Künstlerinnen und Künstler wie Marlene Dumas, Ulrike Michaelis und Arnulf Rainer brechen in ihren "Ich-Spielen" bewusst mit starren Zuschreibungen und thematisieren das Künstler- und Künstlerinnensubjekt selbst.

Liebe und Wir-Gefühle: Dürer, Carracci, Nagel

Nicht nur individuelle Mimik, auch zwischenmenschliche Beziehungen finden Ausdruck in den gezeigten Werken. Liebe, Hingabe, Zuneigung und Zusammenhalt bilden die emotionale Basis sozialer Gefüge. Von der Heiligen Familie als christlichem Ideal bis hin zu modernen Darstellungen von Partnerschaft und Familie spannt sich ein Bogen, der Vorstellungen von Eintracht, Fürsorge und Gemeinschaft reflektiert.

Andachtsgrafiken wie beispielsweise Albrecht Dürers "Maria auf der Rasenbank, das Kind stillend" (1503) formulieren ein idealisiertes Bild, das über Jahrhunderte hinweg aufgegriffen und variiert wurde. Zugleich macht die Ausstellung den Wandel von Familienbildern sichtbar: von der funktional geprägten Hausgemeinschaft der Frühen Neuzeit hin zu modernen Auffassungen, wie sie Hanna Nagel in ihrer Federzeichnung "Spielendes Kind" (1931) thematisiert.

Pathos und Schrecken: van Leyden, Callot, Schoofs

Auch der menschliche Körper wird zur Ausdrucksfläche intensiver Affekte: In Darstellungen der Passion Christi, der Qualen von Märtyrern, aber auch in weltlichen Szenen setzen sich Künstler wie Lucas van Leyden, Jacques Callot und Rudolf Schoofs eindringlich mit Schmerz, Gewalt und Tod auseinander. Den Werken liegt eine bis heute gültige Bildstrategie zu Grunde: Sie zielen darauf ab, emotionale Reaktionen wie Mitleid, Staunen oder Erschrecken hervorzurufen und die Betrachtenden unmittelbar in das Bildgeschehen einzubeziehen.

Aktiv werden und mitgestalten

Ein besonderer Bereich der Ausstellung lädt zur aktiven Teilnahme ein: Besucherinnen und Besucher können sich dem Material Papier spielerisch nähern. Faltanleitungen für Origami-Figuren regen zum eigenen Gestalten an. Die entstandenen Objekte werden Teil der Ausstellung und finden an einer eigenen Präsentationsfläche ihren Platz. So entsteht über die Ausstellungszeit hinweg ein gemeinsames Archiv, das anschaulich das Sammeln und die Freude an den Dingen erprobt sowie die Möglichkeit zu einem persönlichen Andenken bietet.


Kunstmuseum Karlsruhe, Lorenzstraße 27, 76135 Karlsruhe
www.kunstmuseum-karlsruhe.de