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INDUSTRIAL. Seidenstraßen 3000

12.09.2026 bis 10.01.2027 in der Kunsthalle Dortmund (die bislang HMKV Hartware MedienKunstVerein hieß).


Mit INDUSTRIAL. Seidenstraßen 3000 eröffnet die Kunsthalle Dortmund ihre erste Ausstellung unter neuem Namen und bespielt dafür gleich die doppelte Ausstellungsfläche: Die internationale Gruppenausstellung mit 23 Künstler*innen aus 16 Ländern wird auf Ebene 3 und Ebene 6 des Dortmunder U präsentiert. Auf mehr als 2.000 Quadratmetern widmet sie sich Logistik, Lieferketten sowie globalen Warenströmen und damit Infrastrukturen, die unseren Alltag grundlegend prägen, dabei aber meist unsichtbar bleiben. Die Ausstellung erzählt von den Neuen Seidenstraßen zwischen China und dem Ruhrgebiet: von Handelswegen und Lieferketten, durchquerten Landschaften und Grenzen, von Produktion, Arbeit und Warenströmen zwischen Ostasien und Europa. Und sie führt bis vor unsere Haustür, denn die Neuen Seidenstraßen enden in den Häfen und Logistikzentren im Ruhrgebiet.

Die von Inke Arns und Thibaut de Ruyter kuratierte Ausstellung ist vom 12. September 2026 bis 10. Januar 2027 zu sehen. Begleitet wird sie von einem breit gefächerten Veranstaltungsprogramm mit öffentlichen Führungen, Künstler*innengesprächen, Vorträgen, Listening Sessions, einem Filmprogramm, Workshops und Yoga-Workouts.

Künstler*innen: Umida Akhmedova, Pavel Brăila, Cao Fei, Choy Ka Fai, Choy Ka Fai & Lin Pei-Ying, DISNOVATION.ORG, Ingo Günther, Tamami Iinuma, Sven Johne, Ida Kammerloch, Gulnara Kasmalieva & Muratbek Djumaliev, Ali Kazma, Michael Loeken & Ulrike Franke, Zauri Matikashvili, Stanislaw Mucha, Zdeněk Porcal, Solveig Qu Suess, Anne Samat, Katja Stuke & Oliver Sieber, Wang Bing.

Die Neuen Seidenstraßen sind vor der Haustür im Ruhrgebiet

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die chinesische „Belt and Road Initiative“, auch bekannt als „Neue Seidenstraße“. Seit 2013 baut China dieses interkontinentale Netz aus Schienen, Straßen, Häfen und Logistikzentren weltweit aus. Doch INDUSTRIAL: Seidenstraßen 3000 ist keine Ausstellung über China. Sie richtet den Blick vielmehr auf den Raum dazwischen – zwischen China und uns, entlang der Route. Dieser Blick führt unmittelbar ins Ruhrgebiet. Im benachbarten Duisburg kommen Woche für Woche Güterzüge aus China an.

Gleichzeitig erzählt das Ruhrgebiet selbst eine Geschichte der globalisierten Industrie. Auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte in der Dortmunder Nordstadt wurde 2004 die Kokerei Kaiserstuhl von chinesischen Arbeitern demontiert, nach China transportiert und dort wieder aufgebaut. Wo einst eine der modernsten Kokereien Europas stand, befindet sich heute ein Logistikzentrum. Industrie verschwindet, Produktionsorte verlagern sich, neue Infrastrukturen entstehen.

Künstlerische Positionen entlang der Neuen Seidenstraßen

Die Künstler*innen folgen den Neuen Seidenstraßen von Ost nach West und auch wieder zurück. Ihre Arbeiten erzählen von Produktionsbedingungen und Fabrikarbeit, Infrastruktur und Transport, Grenzen und Migration, globalem Konsum und den sozialen wie ökologischen Folgen weltweiter Warenströme.

In Japan richtet die japanische Künstlerin Tamami Iinuma den Blick auf die traditionelle Seidenproduktion, während der chinesische Dokumentarfilmer Wang Bing und die chinesische Künstlerin Cao Fei Arbeiter*innen in chinesischen Fabriken beobachten. Der Dokumentarfilmer Stanislaw Mucha nimmt uns mit nach Dafen bei Shenzhen, wo das Nachmalen berühmter Kunstwerke zu einem eigenen Industriezweig geworden ist, und das Pariser Künstler*innen-Duo DISNOVATION.ORG untersucht mit Shanzhai Archaeology die Welt der gefälschten Konsumgüter – erstaunliche Nachahmungen, Markenrechtsverletzungen, Parodien, Doppelgänger und verbesserte Produkte, insbesondere im Bereich der Elektronik. Zusammen mit Lin Pei-Ying beschäftigt sich der aus Singapur stammende Künstler, Performer und Choreograf Choy Ka Fai mit der weltweit längsten durchgehenden Frachtzugverbindung zwischen dem chinesischen Yiwu und Madrid, wo ein riesiges inoffizielles Chinatown entstanden ist. Die malaysische Künstlerin Anne Samat wiederum konstruiert aus Massen von 1-Euro-Shop-(Plastik-)Artikeln (Made in China) riesige totemistische Skulpturen, die aus der Entfernung recht monumental wirken.

Monobloc-Stühle und Glastransportgestelle als Ausstellungsarchitektur: Eine Ausstellung mit den Mitteln der Logistik

Auch die Ausstellungsgestaltung von INDUSTRIAL: Seidenstraßen 3000 greift das Thema der Ausstellung auf. Die gesamte von Thibaut de Ruyter geschaffene Szenografie ist mobil und verwendet Elemente aus Transport und globaler Warenwelt. Glastransportgestelle werden zu Trägern für Projektionsflächen und Monitore. Monobloc-Stühle – das weltweit meistverkaufte Möbelstück der Welt – werden Teil der Ausstellungsgestaltung. So wird die Infrastruktur des Transports nicht nur zum Gegenstand, sondern auch zum gestalterischen Prinzip der Ausstellung. Für die Gestaltung der Ausstellungsmedien hat die Kunsthalle Dortmund mit der Kreativgruppe Running Water aus Düsseldorf zusammengearbeitet.


Kunsthalle Dortmund, im Dortmunder U, Ebene 3, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund, www.kunsthalledortmund.de

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