Die September-Auktion bei Neumeister
Nachbericht zur Auktion 414 am 25. September 2024: Kunsthandwerk, Schmuck, Gemälde und Graphiken, moderne Contemporary Art
Highlight des Angebots kunstgewerblicher Objekte der September-Auktion von Neumeister war die aus Bronze und Elfenbein gefertigte Art déco-Figur „Etoile de mer“ (LOT 85, Schätzpreis 50.000-55.000 Euro). Das seltene Original dieser exzellent ausgeführten Kleinskulpturen stammt von Demétre H. Chiparus. Ein Bieter am Telefon bewertete die elegante Figur mit 67.600 Euro. Gesuchte Sammlerstücke sind nach wie vor die Leuchten aus den New Yorker Tiffany Studios. Um die in Grün- und Gelbtönen strahlende „Jonquil-Daffodil“ (LOT 78) rangen Tiffany-Liebhaber an den Telefonen und hoben die bei 20.000-25.000 Euro liegende Taxe auf ein Ergebnis von 41.600 Euro.



Viel internationale Aufmerksamkeit erregte die exquisite Auswahl an Porzellanen der Manufaktur Meissen aus dem 18. Jahrhundert. Verkauft wurde in die Schweiz, die Niederlande, Österreich, Polen, USA und China. Zahlreiche Stücke erzielten Ergebnisse, die deutlich über den Taxen lagen, wie z.B. der um 1745 datierte „Teller aus dem Service Brühlsches Allerlei“ nach Modell von J. F. Eberlein (LOT 11, Schätzpreis 1.000-1.200 Euro), den sich ein Bieter für 5.200 Euro sichern konnte. Auch für den mit Blumen und Insekten bemalten luxuriösen „Cremetopf mit Présentoir“ (LOT 36, Schätzpreis 1.000-1.400 Euro) auf drei Tatzenfüßen gab es mehrere Bewerber, von denen einer bereit war 2.860 Euro zu zahlen. Eine Sammlerin kann jetzt aus einer mit Goldstaffage und Chinoiserie-Dekor versehenen „Bouillontasse“ (LOT 18, Schätzpreis 1.800-2.000 Euro) ihr Süppchen löffeln, allerdings fallen für das Prachtstück 2.990 Euro an.
Fans von Porzellanen anderer Manufakturen fühlten sich ebenfalls angesprochen. Ein 29 Teile umfassendes Nymphenburger „Kaffee- und Teeservice nach Modell von Dominikus Auliczek“ (LOT 45) konnte seine Taxe von 2.000-2.200 Euro fast vervierfachen und brachte 7.800 Euro. Als äußerst begehrt erwies sich auch die mit weißer „Limoges-Email-Malerei“ auf leuchtend kobaltblauem Fond verzierte „Prunkpendule“ (LOT 120, Schätzpreis 5.000-6.000 Euro), deren prachtvolles Porzellangehäuse in der Meissener Manufaktur gefertigt wurde. Ein Bieter aus Nordrhein-Westfalen ergatterte das Stück für 28.600 Euro.
Diamanten sind nicht nur „the Girls best Friends“, sondern werden – ebenso wie andere funkelnde Kostbarkeiten – auch von männlichen Auktionsteilnehmern geschätzt. Vor allem historische Stücke standen im Mittelpunkt des Interesses. Ein um 1910 wohl in einer französischen Werkstatt produziertes „Armband mit Saphiren und Diamanten“ (LOT 130, Schätzpreis 2.800-3.100 Euro) wurde für 11.700 Euro an einen Händler für alten Schmuck nach London verkauft. Ein aus dem 1920er Jahren stammendes „Paar Ohrringe mit Altschliffdiamanten“ (LOT 145, Schätzpreis 1.500-1.900 Euro) konnte seine Taxe auf 3.900 Euro mehr als verdoppeln. Das auf 13.500-17.000 Euro geschätzte Rivière Armband „Modellstück“ (LOT 203, Schätzpreis 13.500-17.000 Euro) mit 31 Brillanten von zusammen ca. 20,15 ct. erreichte einen Preis von 33.800 Euro.
Sehr schöne Resultate brachte die Versteigerung der alten Kunst. Schon im Vorfeld der Auktion hatte das Bildnis der Barbara Campanini viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die attraktive Italienerin zählte zu den bedeutendsten Primaballerinen des 18. Jahrhunderts. Das Werk der Malerin Barbara Rosina Lisiewska zeigt sie in der Rolle der „Thetis“, in der sie 1746 in Carl Heinrich Grauns Oper „Demofoonte, re di Tracia“ in Berlin das Publikum begeisterte (LOT 288, Schätzpreis 20.000 – 25.000 Euro). Nach dem Ringen zweier Telefonbieter ging das Porträt für 62.400 Euro in eine öffentliche Sammlung im Rheinland. Auch um Carl Spitzwegs stimmungsvolles Gemälde „Wanderndes Paar in einer Felsenschlucht“ (LOT 311, Schätzpreis 25.000-30.000 Euros) kämpften mehrere Fans des Künstlers. Der Preis brachte fast das Doppelte der Taxe und kletterte auf 49.400 Euro.
Die drei nächsten LOTS ließen ebenfalls die Telefone heiß laufen: Die Holztafel „Meister der Dormitio Virginis Massari“ (LOT 229, Schätzpreis 8.000-10.000 Euro) ging für 24.700 Euro an einen Sammler in Frankreich. Ein anderer Gemäldeliebhaber leistete sich für 23.400 Euro die „Beweinung Christi“ aus dem Umkreis von Gerard David (LOT 230, Schätzpreis 5.000-6.000 Euro) und griff dann nochmals tief in die Tasche, um das gefragte „Doppelbildnis von Philipp Melanchthon und Martin Luther“ aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. (LOT 231, Schätzpreis 40.000-60.000 Euro) für 71.500 Euro zu ersteigern. Ein wichtiges Dokument der Geschichte des Kölner Kunstmuseums ist das Gemälde „Die Stifter des Wallraf-Richartz-Museums“ von Erich Correns (LOT 338, Schätzpreis 1.800-2.000 Euro). Wir freuen uns sehr, dass das Werk für das moderate Ergebnis von 4.160 Euro in „seine Heimat“ Köln zurückkehrt.
Aus dem Angebot Moderne und Contemporary Art fand die vom Einlieferer direkt beim Künstler erworbene Skulptur „Deine Hand. Tu Mano“ (LOT 402, Schätzpreis 800-1.000 Euro) großen Zuspruch. Der 1915 in Danzig geborene Mathias Goeritz lebte ab 1949 in Mexiko, wo er als Architekt, Maler und Bildhauer sehr geschätzt wurde. Die Arbeit aus Sadebaumholz brachte ein Resultat von 26.000 Euro und geht nach Mexiko. Die bezaubernde Farblithographie „Mädchen mit Katze II (Kopf schräg)“ von Otto Dix (LOT 431, Schätzpreis 3.000-4.000 Euro) rief ebenfalls internationale Interessenten auf den Plan. Eine Sammlerin aus den USA bewilligte mit 6.500 Euro mehr als das sechsfache der Taxe.
Ganz zum Ende der Versteigerung kam das Auktionspublikum noch einmal richtig in Schwung. Um das vorletzte LOT 443, die „Moonlight Serenade“ von George Rodrigue (Schätzpreis 20.000-30.000 Euro) kämpften vier Telefonbieter aus den USA, doch das Rennen machte eine Saalbieterin aus Süddeutschland für 71.500 Euro. Das Schlusslicht der Auktion, das Gemälde „Girl in a Blue Room“ des lettischen Künstlers Normunds Braslin (LOT 444, Schätzpreis 10.000-15.000 Euro), der bei Neumeister schon mehrfach mit seinen Arbeiten reussierte, war sehr gefragt. Der in altmeisterlicher Manier ausgeführte Frauenakt auf leuchtend blauem Grund brachte ein Resultat von 22.100 Euro.
Die nächsten Auktionen:
6. November 2024 bis 19. November 2024 ONLINE-ONLY
4. Dezember 2024 DEZEMBER-AUKTION
Kunst und Bühne. Spielorte des Münchner Jugendstils
Eine Kabinettausstellung des Deutschen Theatermuseums, 17.10.2024- 23.3.2025
Rachel Ruysch, Natur into Art
Alte Pinakothek, München, 26. November 2024 bis 16. März 2025.
ARTMUC Kunstmesse vom 1. bis 4. Mai 2025
Internationale Kunst erleben, entdecken und mitnehmen.