Mooni Perry, Missings: From Baikal to Heaven Lake, from Manchuria to Kailong Temple
Westfälischer Kunstverein, 12. Oktober 2024–2. Februar 2025
„Creating by losing“, was im Deutschen sinngemäß als „Gewinn im Verlust“ übersetzt werden kann, ist eine Aussage der Künstlerin Mooni Perry (geboren 1990 in Seoul, Republik Korea, lebt in Berlin), die sich nicht nur an eine der Grundprinzipien der daoistischen Philosophie anlehnt. Der positiven Lesart des Verlusts spürt sie auch in ihrem neuen, im Auftrag des Westfälischen Kunstvereins produzierten Film
Missing (2024) nach. Dieser erzählt von Menschen, die auf unterschiedliche Art und Weise einen Verlust erfahren bzw. umgangssprachlich „verloren gingen“, sich in ihrem Leben orientierungslos, unsicher oder entfremdet fühlen.



Missing versteht sich dabei als eine kollektive Suchbewegung und ist das Resultat der Zusammenarbeit Perrys mit einer Vielzahl von AFSAR-Mitgliedern. Die Plattform „Asian Feminist Studio for Art and Research“ wurde 2020 von Perry mitbegründet und entwickelte sich bis heute zu einem vielstimmigen und die Welt umspannenden Bezugsgewebe, das gemeinsam eine durch zahlreiche Brüche gekennzeichnete Geschichte und Kultur Ostasiens reflektiert. Die eingangs zitierte Aussage bezieht sich so auch auf die Tradierung von Erzählungen, denn diese unterlaufen in Anbetracht ihrer zeitspezifischen Kontexte stets Veränderungen. Historisch gesicherte Ursprungsgeschichten sind für Mooni Perry dabei weniger von Interesse als vielmehr die Erkenntnis, dass der Daoismus je nach geografischem und kulturellem Raum unterschiedlich praktiziert und gelehrt wird. Im Nachdenken über das vermeintlich Authentische oder Originale reagiert der Film mit einer Momentaufnahme, die eben nicht von ‚wahren‘ oder ‚falschen‘ Erzählungen ausgeht. Denn Missing ist ein Bekenntnis dessen, dass die Welt von Anderen auch anders betrachtet wird und sich eine tatsächliche Wahrheit nur in der Übereinstimmung von mehreren Perspektiven manifestiert.



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