Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert
Die Ausstellung zeigt erstmals in Deutschland unrealisierte Projektes des Künstlerduos. Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster, 4. April – 28. Juni 2026.
Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster zeigt vom 4. April bis 28. Juni 2026 die Ausstellung „Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert“. Erstmals widmet sich damit in Deutschland eine Ausstellung den nicht realisierten Projekten des Künstlerduos, das vor allem durch seine spektakulären Interventionen im Stadt- und Landschaftsraum Berühmtheit erlangte.
„Das Picasso-Museum war kühn genug, sich darauf einzulassen, Christo und Jeanne-Claude von ihrer weniger bekannten Seite zu zeigen. Das Publikum erwartet eine Ausstellung, die mit den Erwartungen bricht und gleichzeitig auf vielen Ebenen überrascht“, so Kurator Matthias Koddenberg. Der Münsteraner Kunsthistoriker war eng mit Christo und Jeanne-Claude befreundet und gehörte über 20 Jahre lang zu ihrer „Arbeitsfamilie“. Die von ihm eigens für Münster konzipierte Ausstellung stellt 25 unrealisierte Projekte vor und zeigt über 100 Arbeiten aus 60 Jahren.


Vor allem in Christo und Jeanne-Claudes druckgrafischem Werk nehmen die unrealisierten Projekte einen großen Platz ein. Die Präsentation trägt diesem Umstand Rechnung und zeigt vornehmlich die handwerklich teils aufwendig gestalteten Lithografien und Collage-Grafiken des Paares. Das umfangreiche Konvolut, das aus dem Bestand der Christo and Jeanne-Claude Foundation in New York stammt und um weitere Leihgaben aus privaten wie öffentlichen Sammlungen ergänzt wurde, gewährt einen umfassenden Einblick in das Schaffen der Künstler, die für die Realisierung ihrer Projekte oft jahrzehntelang gegen technische, rechtliche und administrative Hürden kämpften.
„Christo und Jeanne-Claude sind in Deutschland vor allem für die Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes bekannt. Zahlreiche andere Projekte, etwa für Köln, München oder Kassel, blieben unvollendet und warten in Münster darauf, neu entdeckt zu werden“, so Vladimir Yavachev, Christos Neffe und Projektleiter von Christo und Jeanne-Claude.
Eine Präsentation an großformatigen Studioaufnahmen, frühen Multiples und verhüllten Objekten beleuchtet zum Auftakt der Ausstellung Christo und Jeanne-Claudes künstlerische Anfange im Paris der 1950er- und 1960er-Jahre bis hin zu ihrem Umzug nach New York 1964. Zum ersten Mal überhaupt sind nahezu sämtliche ihrer frühen Auflagenobjekte versammelt, manche davon in mehrfacher Ausführung, um so den seriellen Unikatcharakter dieser Editionen deutlich zu machen.
Dass zum Erfolg auch das Scheitern gehört, macht die Ausstellung auf eindrückliche Weise deutlich. Christo und Jeanne-Claude haben mit ihren Arbeiten im öffentlichen Raum sowohl politische, ökonomische als auch soziale Fragen berührt und damit nicht selten vehemente Ablehnung provoziert. Beispielhaft beleuchtet eine Auswahl an Originalzeichnungen, Collagen und Filmmaterial den 25-jahrigen Kampf um das Projekt Over the River, das zunächst genehmigt und schließlich nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen von Christo aufgegeben wurde.
„Als Christo und Jeanne-Claude 2006 das Picasso-Museum besuchten, um einen Vortrag über ihr Over the River Projekt zu halten“, erinnert sich Museumsdirektor Markus Müller, „führte das im Publikum zu kontroversen Diskussionen. Ihre Arbeit erfüllte damit den fundamentalsten Sinn der Kunst: Sie regte die Menschen zum Nachdenken an. Ich hoffe, unsere Ausstellung wird die Besucher in gleicher Weise bewegen.“
Die in Münster präsentierten Werke ermöglichen einen tiefen Einblick in Christo und Jeanne-Claudes facettenreiches Schaffen, das durch seinen ästhetischen Anspruch und kollektiven Ansatz nicht erst in der Realisierung, sondern bereits im Entwurf und Prozess seine visuelle und gesellschaftliche Kraft entfaltete.
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1, 48143 Münster, Tel. 0251/4144710
www.kunstmuseum-picasso-muenster.de
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