12. April bis 3. August 2025, Kunstmuseum Reutlingen | konkret
Die Arbeiten des Deutsch-Amerikaners Christian Wulffen (geb. 1954) scheinen bestimmten Ordnungen zu folgen. Zuweilen wirken sie wie Module oder unvollständig montierte Bauteile, die auf ihre Nutzung warten. Stets werfen sie die Frage auf, anhand welcher Elemente oder Konstellationen man einen Gegenstand als ein Bild identifiziert. Was den Status eines Werks erst behauptet – zum Beispiel ein Bilderrahmen – ist hier der Ausgangspunkt.


Mit über 30 Arbeiten aus fünf Jahrzehnten bietet die Ausstellung im "Kunstmuseum Reutlingen | konkret" erstmals einen Querschnitt durch das Gesamtwerk Wulffens. Wie kaum ein anderer ist dieser Künstler mit den Reutlinger Wandel-Hallen und der Sammlung Konkrete Kunst verbunden, viele Jahrzehnte war er ein wichtiger Wegbegleiter des Sammlerpaars Manfred Wandel und Gabriele Kübler. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, lehrte in den 1990er Jahren an der damaligen Fachhochschule für Gestaltung in Metzingen und von 2003 bis 2022 am Cleveland Institute of Art in Ohio.
Christian Wulffens Arbeiten bestehen oft aus industriell gefertigten Materialien wie etwa Holz- und Aluminiumplatten, Schrauben, Etiketten, Klebebändern, Ziffern sowie Zeichen- und Vinylfolien. Sie erzählen von potenziellen Einsatzmöglichkeiten und ihre präzisen Wiederholungen animieren zum Vergleichen. Offenbar geht es um Verhältnisse zwischen Objekt und Umgebung, Innen und Außen, Maß und Zahl, Einzelteil und Ganzem. Die Werke verführen dazu, solche Relationen als beabsichtigt und somit signifikant zu lesen. Wie sie sich tatsächlich ergaben, wird jedoch nicht offengelegt. Wichtiger als das Gesehene ist daher wohl das Spekulieren über seine Entstehung: Die Arbeiten spiegeln unseren fundamentalen Wunsch nach Zusammenhängen und machen erlebbar, dass wir es sind, die ihnen Bedeutung zuschreiben.
In Wulffens Kunst ist die Vorstellungskraft stets einkalkuliert. Wir sollen logische Bezüge ersinnen und werden dazu ermuntert, uns die Elemente der Werke probehalber anders angeordnet vorzustellen. Dabei wird erlerntes Wissen aktiviert – zum Beispiel über die Angemessenheit bestimmter Arrangements. Ordnung steckt somit weniger in den Arbeiten selbst als vielmehr in der ihnen unterstellten Systematik. Was an der Wand hängt oder auf dem Boden liegt, sind visuelle Puzzlesteine zum Mitdenken, es sind Gegenstände zum gedanklichen Gebrauch.
Kurator: Holger Kube Ventura
Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog mit zahlreichen Abbildungen im Wienand Verlag sowie ein kostenloser Kurzführer.
Eröffnung: Freitag, 11. April 2025, 19 Uhr
Künstlergespräch zwischen Christian Wulffen und Beat Zoderer: Samstag, 12. April 2025, 11 Uhr
Kunstmuseum Reutlingen | Christian Wulffen: Gegenstände zum gedanklichen Gebrauch