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HAAR – MACHT – LUST

Alltäglich und bedeutungsvoll – Haar als kultureller Code. Kunsthalle München, 20.03.–04.10.2026.

Kaum ein kulturelles Zeichen ist so alltäglich und zugleich so aufgeladen wie das menschliche Haar. Es wächst, wird geschnitten, geflochten, verborgen oder demonstrativ inszeniert. Frisuren markieren Zugehörigkeiten, visualisieren Machtverhältnisse und dienen als ästhetische wie politische Marker.

Mit HAAR – MACHT – LUST widmet sich die Kunsthalle München diesem vielschichtigen Phänomen in einer groß angelegten, kulturübergreifenden Ausstellung. Rund 200 Werke aus drei Jahrtausenden Kunst- und Kulturgeschichte untersuchen Haar nicht nur als Material, sondern als Träger kultureller Bedeutungen – als Symbol von Schönheit und Begehren, als Medium sozialer Codierung und als Projektionsfläche für Identität, Normierung und Abweichung. Hochkarätige Leihgaben aus Amsterdam, Berlin, London Madrid, New York, Paris und Wien unterstreichen den internationalen Anspruch der Schau.

Zwischen Intimität, Inszenierung und sozialer Distinktion

In Gemälden, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten erscheint Haar als Code: Historische Porträts nutzen es als Zeichen gesellschaftlicher Hierarchie, zeitgenössische Positionen als Mittel persönlicher Selbstinszenierung. Gestylte Körperbehaarung, extravagante Frisuren oder radikale Enthaarung sind dabei nicht nur ästhetische Entscheidungen, sondern verhandeln gesellschaftliche Normen und Rollenbilder. Die Ausstellung erweitert diese Perspektive durch die Einbeziehung von Schmuck, Design, Möbeln und Couture. In bewusst gesetzten Konstellationen treten kunsthistorische Werke mit Alltagsobjekten in Dialog. So werden Spannungsfelder zwischen privater Körperpraxis und öffentlicher Repräsentation sichtbar.

Wenn Haar zur Machtfrage wird

Haar ist stets auch politisch. Frisuren signalisieren religiöse Vorschriften, soziale Klassen, ethnische Zugehörigkeiten oder politische Loyalitäten. Zugleich wird Haar immer wieder zum Medium des Protests – als Ausdruck von Selbstbestimmung, Widerstand und Emanzipation. Umgekehrt steht das gewaltsame Abscheren von Haar historisch für Entwürdigung, Disziplinierung und Unterwerfung. HAAR – MACHT – LUST fragt, wie Haar als sichtbares Körperzeichen Machtstrukturen aufzeigt und dabei gesellschaftliche Ordnungen stabilisiert oder unterläuft.

3.000 Jahre Kulturgeschichte des Haars

Von antiken Mythen bis zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten spannt die Ausstellung einen epochenübergreifenden Bogen. Ikonografische Motive wie Samsons Haar als Quelle übermenschlicher Kraft oder die Medusa als ambivalente Figur zwischen Verführung und Schrecken treten in Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten. Durch die bewusste Gegenüberstellung von Geschichte und Gegenwart, höfischer Repräsentation und subkultureller Ästhetik werden historische Kontinuitäten ebenso sichtbar wie Brüche in der kulturellen Codierung von Haar.

Internationale Leihgaben

Die Leihgaben stammen aus renommierten internationalen Sammlungen, darunter der Prado, der Louvre, das Rijksmuseum und das V&A. Neue Konstellationen eröffnen differenzierte Perspektiven auf bekannte wie weniger bekannte Werke und schärfen den Blick für die vielschichtigen Bedeutungsräume von Haar. HAAR – MACHT – LUST versteht sich als sinnliche wie analytische Ausstellung, die kunsthistorische, kulturwissenschaftliche und gesellschaftspolitische Fragestellungen miteinander verknüpft und das scheinbar Nebensächliche als kraftvolles kulturelles Zeichen neu lesbar macht.

Katalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag eine reich bebilderte Publikation (336 Seiten, deutsch), herausgegeben von Juliane Au und Roger Diederen. Beiträge von Francesco Alessandrini Lupia, Jasmin Gierling, Jutta Götzmann, Alexandra Karentzos, Justus Lange, Astrid Nielsen, Malena Rotter Lechanu, Julia Saviello und Mirja Straub vertiefen die zentralen Themen der Schau und verorten das Phänomen Haar in Geschichte und Gegenwart.


HAAR – MACHT – LUST
Kunsthalle München
20. März – 4. Oktober 2026
www.kunsthalle-muc.de/haar

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Tragbare Kunst

Mode von Viktor&Rolf in der Kunsthalle München, Schmuckobjekte von Sigurd Bronger in der Pinakothek der Moderne.

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