Cecilia Paredes, In the Heart of Your Wings, Performance/ Fotografie, 2014. @ Cecilia Paredes.

Cecilia Paredes – A circular flight

23. Mai – 12. Juli 2026, Galerie der Stadt Tuttlingen

Die Stadt Tuttlingen präsentiert mit A circular flight erstmals in Deutschland eine Einzelausstellung der in Peru geborenen, international renommierten Künstlerin Cecilia Paredes. Im Zentrum ihres Œuvres stehen fotografische Selbstinszenierungen, die sich an der Schnittstelle von Performance, Fotografie und Körperkunst bewegen und zentrale Fragestellungen zu Migration, Identität und der Beziehung zwischen Natur und Kultur verhandeln.

Paredes’ Arbeiten zeichnen sich durch eine visuelle Strategie der Camouflage aus, in der der eigene Körper als Bildträger fungiert und zugleich im Bildraum verschwindet. Diese ästhetische Praxis ist nicht allein formal zu verstehen, sondern entfaltet eine komplexe Bildpoetik, die sich aus biografischen, historischen und kulturellen Referenzen speist. Insbesondere prägende Kindheitserfahrungen, die Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte Perus sowie ein tief verankertes ökologisches Bewusstsein bilden konzeptuelle Bezugspunkte ihres Werks. Ein längerer Aufenthalt in Costa Rica Ende der 1990er Jahre intensivierte ihre Beschäftigung mit Landschaft, Mythologie, Kosmologie und Anthropologie.

In der Serie Animal of My Time untersucht Paredes die Transformation des menschlichen Körpers in tierische Erscheinungsformen. Durch performative Aneignung und fotografische Fixierung entsteht ein hybrides Bildsubjekt, das anthropozentrische Perspektiven hinterfragt. Die Künstlerin beschreibt ihre Arbeitsweise als Annäherung durch Beobachtung und Mimesis: Das Studium von Flora und Fauna wird zur Grundlage einer künstlerischen Praxis, die auf Empathie und Resonanz abzielt.

Die Werkgruppe Landscapes erweitert dieses Prinzip der Verschmelzung, indem Paredes ihren Körper vor ornamental gestalteten, floralen Hintergründen nahezu unsichtbar werden lässt. Die visuelle Auflösung des Körpers im Bildraum fungiert hier als Metapher für Migrationsprozesse: Das Subjekt ist physisch präsent, bleibt jedoch in seiner Wahrnehmung fragmentiert oder marginalisiert. Damit formuliert die Künstlerin eine subtile Kritik an Mechanismen kultureller Sichtbarkeit und Zugehörigkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Motiv des Fliegens, das sich als leitmotivische Konstante durch Paredes’ Werk zieht. Die Verwendung von Federn und Flügeln verweist sowohl auf individuelle Freiheitsbestrebungen als auch auf symbolische Traditionen, die tief in der peruanischen Kulturgeschichte verankert sind. Flug erscheint hier als ambivalente Metapher zwischen Transzendenz, Transformation und Widerstand.

Cecilia Paredes (geb. 1950 in Lima/ Peru) lebt und arbeitet zwischen Philadelphia (USA), Lima und Costa Rica. Sie studierte Bildende Kunst an der Katholischen Universität von Lima, an der Cambridge Arts and Crafts School in England und an der Scuola del Nudo in Rom. 1998 war sie Stipendiatin der Rockefeller Foundation. Cecilia Paredes hat viele Jahre außerhalb ihres Heimatlandes Peru verbracht; sie lebte in verschiedenen Ländern und 25 Jahre lang in Costa Rica, bevor sie in die USA kam. Sie ist eine multidisziplinäre Künstlerin, deren Arbeit sich mit Themen wie der Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie der Fragilität des Lebens, Mitgefühl, Andersartigkeit, Migration und dem Leben in neuen Umgebungen befasst.

Mit A circular flight eröffnet sich dem Publikum ein vielschichtiger Zugang zu einem Werk, das Fragen von Identität, Zugehörigkeit und ökologischer Verantwortung in eine prägnante visuelle Sprache übersetzt.


Galerie der Stadt Tuttlingen, Rathausstr. 7, 78532 Tuttlingen. Geöffnet Di-So 11-18 Uhr