Die Neue Sachlichkeit – Ein Jahrhundertjubiläum
Kunsthalle Mannheim, 22. November 2024 bis 9. März 2025
Eine ganze Epoche mit einem einzelnen Begriff zu prägen, gelingt nur äußerst selten. Dem jungen Mannheimer Kunsthallen-Direktor Gustav F. Hartlaub ist mit seiner legendären Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ 1925 jedoch genau das geglückt. Weit über seine kunsthistorische Bedeutung hinaus, ist der Begriff zum Synonym für den kulturellen Aufbruch der 1920er-Jahre geworden – und für die in Kunst, Architektur und Literatur zu beobachtende Rationalität und sachliche Präzision, die als Reaktion auf die großen politischen und sozialen Umwälzungen dieses Jahrzehnts gelten kann. Hundert Jahre später widmet die Kunsthalle Mannheim dem Phänomen „Neue Sachlichkeit“ eine große Ausstellung, die sowohl die damalige Leistung würdigt, sie aber auch kritisch hinterfragt und ergänzt, vor allem um das Schaffen von Künstlerinnen, war doch in der Ausstellung von 1925 keine einzige Frau vertreten.
Die 1920er-Jahre und die Neue Sachlichkeit
Die 1920er-Jahre waren von einer politischen und gesellschaftlichen Zeitenwende nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geprägt. Vor allem in den frühen 1920er-Jahren formten Armut und Arbeitslosigkeit die Gesellschaft. Ab 1923 erlebte die Weimarer Republik einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, der 1929 mit dem Börsencrash ein Ende fand.


Die bedeutende Kunstströmung des Jahrzehnts war die Neue Sachlichkeit. Wichtige Themen waren die sozialen Missstände, aber auch die politische und gesellschaftliche Situation des Landes im Umbruch. Die Abbildung der nüchternen Wirklichkeit stand dabei im Vordergrund. Künstler wie George Grosz, Otto Dix, Max Beckmann, Christian Schad u.v.m. waren führende Vertreter.
Die Neue Sachlichkeit etablierte sich nicht nur in Deutschland. Auch in Österreich, Italien, der Schweiz, den Niederlanden und weiteren Ländern fanden namhafte Künstler:innen zu diesem Stil. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise verlor der neusachliche Malstil zunehmend an Kraft.
Die Ausstellung 1925
Der Direktor der Mannheimer Kunsthalle Gustav F. Hartlaub präsentierte in der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ etwa 32 Künstler mit 132 Gemälden. Mit der Ausstellung charakterisierte Hartlaub die aktuelle, am Gegenstand orientierte Bewegung der deutschen Nachkriegskunst „seit dem Expressionismus“, wie der Untertitel lautete.

100 Jahre Neue Sachlichkeit
Mit dem Ausstellungsprojekt „Die Neue Sachlichkeit – Ein Jahrhundertjubiläum“ blickt die Kunsthalle Mannheim auf die unzweifelhaft bekannteste wie auch bedeutendste Ausstellung in ihrer über 100-jährigen Geschichte zurück. Die große Jubiläumsausstellung gliedert sich in verschiedene Themenbereiche, bei denen das damalige Ausstellungskonzept hinterfragt und auch kritisch ergänzt wird. Gleichzeitig wird das politische Klima des aufkommenden Nationalsozialismus thematisiert.
In der Ausstellung sind mehr als 230 Arbeiten von 124 Künstler*innen von nationalen und internationalen Leihgeber*innen sowie aus der eigenen Sammlung zu sehen. Dabei stehen Themen wie das Zeitgeschehen, der Alltag der Menschen, die Industrialisierung, eine neue Mobilität, das Menschenbild und das Bild der Frau sowie Porträts, Stillleben und Landschaft im Mittelpunkt, welche diese Epoche als eine der Umbrüche und Kontraste charakterisieren.
Auch wenn es zur historischen Ausstellung keine fotografischen Raumaufnahmen gibt, lassen sich mittlerweile 112 der damals 132 gezeigten Arbeiten anhand von Fotos belegen und geben erstmals derartig umfangreich Aufschluss über das Konzept. Eine Auswahl damals in Mannheim zu sehender Werke aus den Beständen der Kunsthalle sowie als Leihgaben anderer Museen sind Teil der Ausstellung und bieten einen Querschnitt durch die historische Schau. Der Blick in die Ausstellung von 1925 erfolgt aber vor allem in digitaler Form: In einer immersiven multimedialen Raumprojektion werden die damals gezeigten Werke, aber auch die Lücken und Verluste visuell erlebbar.
Zur Kunsthalle Mannheim, Die Neue Sachlichkeit, Ein Jahrhundertjubiläum. 22.11.2024 – 09.03.2025.
Zur Ausstellung ist ein Katalog im Deutschen Kunstverlag erschienen. Erhältlich für 40 Euro im Museumsshop oder unter https://www.kuma.art/de/publikationen
Das zweite Papierkunststipendium
Stipendium für Zeichnung und Papierkunst der Stadt Waiblingen, 25. Juli bis 18. Oktober 2026, Galerie Stihl Waiblingen.
Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert
Die Ausstellung zeigt erstmals in Deutschland unrealisierte Projektes des Künstlerduos. Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster, 4. April – 28. Juni 2026.
Ausdrucksmittel auf Augenhöhe
Unter dem Titel "Trouble and Appearance" präsentiert die Staatliche Graphische Sammlung München eine Ausstellung der amerikanischen Künstlerin Dana Schutz.