Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus
Ausstellung anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Zeppelin Museums in Friedrichshafen.
2026 feiert das Zeppelin Museum sein 30-jähriges Jubiläum im Hafenbahnhof. Zu diesem Anlass stellt sich das Museum in der Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“ auch seiner eigenen Geschichte und arbeitet die Verstrickungen zwischen der politischen Nutzung von Zeppelinen und NS-Staat erstmals umfassend auf.
Leitend sind dabei Gefühlte Wahrheiten, ein Phänomen, das auf subjektiven, emotionalisierten Annahmen beruht: Aussagen, die wir irgendwo mal gehört und nie hinterfragt haben. Sie ziehen sich als Leitfaden durch die Ausstellung und das Museum.


Gefühlte Wahrheiten bestimmen bis heute auch das Bild der Zeppeline als nostalgisch verklärte Technik. So hält sich etwa der Glaube, Zeppeline und die Konzerne, die sie bauten, seien unpolitisch gewesen. Doch Zeppeline waren bereits vor der NS-Zeit ideologisch und politisch stark aufgeladen. Das Museum sieht sich häufig mit der Aussage konfrontiert, der Baubetrieb in Friedrichshafen und seine Mitarbeiter*innen seien „unpolitisch“ oder dem NS-Staat sogar missliebig gewesen. Eines der Hauptargumente für diese „Entlastung“ nach dem Zweiten Weltkrieg ist ihre angebliche Ablehnung durch die Machthabenden des NS-Staats.
Neuste Forschung zeigt ein anderes Bild: Das so genannte goldene Zeitalter der Luftschifffahrt mit LZ 127 Graf Zeppelin, LZ 129 Hindenburg und LZ 130 Graf Zeppelin war durch deren Bedeutung für die NS-Propaganda geprägt. Ihre Inszenierung reichte von den Hakenkreuzen an den großen Leitwerken bis hin zu Propagandafahrten, den Auftritten bei Reichsparteitagen, den Olympischen Spielen in Berlin 1936 und anderen politischen Großereignissen. Auch auf ihren fahrplanmäßigen Passagierfahrten nach Brasilien und in die USA repräsentierten die Zeppeline ab 1933 das NS-Regime und wurden so zu Botschaftern behaupteter deutsch-nationaler technischer Überlegenheit.
Ab 1933 waren die Zeppeline und die Menschen, die sie bauten und betrieben, also auf die ein oder andere Weise in den NS-Staat und seine propagandistische Selbstdarstellung eingebunden. Dass dies ausschließlich unfreiwillig und ohne Begeisterung geschah, ist ein Beispiel verklärender Erzählungen, die in der Zeit nach 1945 entstanden und bis heute wirksam sind.
Eine bild- und medienkritische Auseinandersetzung mit dem historischen Material geschieht auch durch die künstlerische Position von Jonas Englert, dessen Arbeit CULT [Zeppelin] (2026) durch RE-SEARCH. Das ZF-Forschungsstipendium der ZF Kunststiftung gefördert wird. Die mehrkanalige Videoarbeit dekonstruiert den Zeppelin als Projektionsfläche kollektiver Vorstellungen, derer sich insbesondere der Nationalsozialismus bedient; etwa von Nation, Überlegenheit und Männlichkeit.
Die Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“ versteht sich als Teil historischer und politischer Bildungsarbeit mit einem besonderen Fokus auf die Steigerung digitaler Medienkompetenz.
Im Zuge der Ausstellung wurde Friedrichshafen als Austragungsort für die 5. Historische Fachtagung „Historisches Wissen und gesellschaftlicher Bildungsauftrag am Beispiel des Nationalsozialismus in Südwürttemberg“ ausgewählt, die am 17. und 18. Juni 2026 im Zeppelin Museum abgehalten wird.
Zur Eröffnung der Ausstellung erscheint ein umfangreicher Begleitband, der auch neue Forschungsergebnisse dokumentiert und weitere Forschung anstoßen soll.
Kurator*innen: Jürgen Bleibler, Felix Banzhaf, Kathrin Wurzer, Dominik Busch, Dr. Tabea Widmann
Projektleitung: Felix Banzhaf
Förderung: Kulturstiftung der Länder, ZF Kunststiftung, Lotto Museumspreis 2024
Zeppelin Museum Friedrichshafen
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