Olaf Breuning, Leave Me Alone, 2024. C-Print, 122 x 150 cm. Courtesy: the artist & Galerie Semiose, Paris.

Olaf Breuning, Humans

Der Schweizer Künstler Olaf Breuning über KI, Klima und Menschsein – neue Ausstellung im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.

Mit Humans kehrt der Schweizer Künstler Olaf Breuning nach 25 Jahren ins Museum zu Allerheiligen Schaffhausen zurück. Es ist die erste grosse Präsentation des international erfolgreichen, in New York lebenden Künstlers in der Schweiz seit mehr als zehn Jahren. Im Fokus stehen künstliche Intelligenz, Klimakrise und menschliche Widersprüche. Humorvoll und bildstark fragt Breuning, was vom Menschen bleibt, wenn Technik, Konsum und Krisen unser Leben prägen.

Olaf Breuning (geboren 1970 in Schaffhausen) gelang früh der internationale Durchbruch. Sein Werk bewegt sich spielerisch zwischen Zeichnung, Fotografie, Video, Skulptur und Installation. In der bewusst reduzierten, unmittelbar lesbaren Bildsprache verbindet er Humor mit präziser Beobachtung und macht gesellschaftliche Gegenwartsthemen überraschend zugänglich.

In der Ausstellung Humans untersucht Breuning das Erwachsenwerden, das Mannsein heute und menschliche Verhaltensweisen in all ihrer Ambivalenz – zwischen Neugier und Naivität, Fortschritt und Verantwortungslosigkeit, Ernsthaftigkeit und Absurdität. Gleichzeitig greift die Ausstellung zentrale gesellschaftliche Herausforderungen unserer Gegenwart auf: die ökologische Krise, den Ressourcenverbrauch und die zunehmende Anwesenheit künstlicher Intelligenz. Breuning fragt, wie sehr die neue Technologie unser Denken und Handeln bereits prägt – und ob wir ihr überhaupt noch Widerstand entgegensetzen können. Ein Grossteil der gezeigten Werke entsteht eigens für die Ausstellung. Dazu gehören 60 neue Zeichnungen, zwei raumgreifende Installationen sowie Videoarbeiten:

20 mm zeigt einen kleinen bronzenen Affen auf einem Marmorsockel mit einem 300 Meter langen Seil als Symbol für die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte; die vergoldete Spitze steht für die kurze Zeit menschlicher Existenz. Der Affe ist zugleich ein wiederkehrendes Motiv im Werk von Olaf Breuning und spiegelt menschliches Verhalten sowie den Umgang mit "Natur".

Out of Balance zeigt einen chaotischen Hügel verschlungener Ritter auf Rollschuhen. Die Installation steht für Machtverlust, Scheitern und ein aus dem Gleichgewicht geratenes System, gegen das selbst Rüstungen keinen Schutz bieten.

Zeichnungen sind seit jeher zentral im Werk von Olaf Breuning und dienen oft als Ausgangspunkt für andere Arbeiten. Die neuen kleinformatigen Schwarz-Weiss-Zeichnungen zeigen skurrile Szenen aus dem Alltag von Menschen, Tieren und dem Planeten und verdichten die grossen und kleinen Dramen unserer Zeit.

Während frühere Videoarbeiten von Olaf Breuning mit aufwändigen Settings entstanden, sind die neuesten, erstmals im Ausstellungskontext gezeigten Videos mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Der Künstler nutzt sich selbst als Vorlage für verschiedene Figuren und thematisiert damit die Rolle von KI in der Kunst sowie die gesellschaftliche Verantwortung von Kunstschaffenden in einer angespannten Weltlage

Breunings jüngste Arbeiten wirken ernster und nachdenklicher als frühere Werke. Die Zeit der lauten, provokativen Ironie ist einer leiseren, doppelbödigen Haltung gewichen. Zwar bleibt sein humorvoller Blick erhalten, doch rücken existenzielle Fragen, Ernüchterung und eine gewisse Melancholie stärker in den Vordergrund. Schonungslos legt er menschliche Schwächen, Widersprüche und Dummheiten offen – ohne dabei die Lust am Komischen zu verlieren. So entsteht ein eindringlicher Kosmos, der gleichermassen zum Lachen wie zum Nachdenken anregt. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, eigene Schlüsse zu ziehen – zwischen Zuversicht und Zweifel, zwischen Weltuntergangsstimmung und der Hoffnung auf Veränderung.

Kuratiert wird die Ausstellung von Sarah Merten. Begleitend erscheint eine Publikation im renommierten Kunstbuchverlag Scheidegger & Spiess. Deutsch / Englisch. Erhältlich ab Mitte Juli 2026.


Olaf Breuning. Humans
6. Juni bis 27. September 2026 im Museum zu Allerheiligen, Di−So 11−17 Uhr
Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Klosterstrasse 16, CH 8200 Schaffhausen