Stipendium für Zeichnung und Papierkunst der Stadt Waiblingen, 25. Juli bis 18. Oktober 2026, Galerie Stihl Waiblingen.
Im Sommer 2026 wird Waiblingen erneut zum internationalen Zentrum des zeitgenössischen Kunstgeschehens. Mit dem 2023 ins Leben gerufenen Stipendium für Zeichnung und Papierkunst setzt die Stadt ihr bundesweit einzigartiges Förderprojekt fort. Unterstützt durch die Eva Mayr-Stihl Stiftung und ermöglicht durch einen Nachlass der Stuttgarterin Renate Reichert, bringt das Papierkunststipendium etablierte Positionen und internationale Nachwuchstalente zusammen und macht Waiblingen über die Sommermonate zu einem lebendigen Ort künstlerischer Begegnung.
Kern des Stipendiums ist ein generationsübergreifendes Tandemmodell: An der Seite der international renommierten deutschen Papierbildhauerin Angela Glajcar als Hauptstipendiatin wirken drei Nachwuchskunstschaffende, die nach einer internationalen Ausschreibung aus rund 500 Bewerbungen ausgelobt wurden. Während einer sechswöchigen Atelierphase in Waiblingen entfaltet sich ein vielschichtiger künstlerischer Dialog, getragen von der Zusammenarbeit und Begleitung durch die Hauptstipendiatin und Mentorin Angela Glajcar. Neben der Realisierung von in situ entstehenden Kunstobjekten wird in der Galerie Stihl Waiblingen eine umfassende monografische Schau konzipiert, die Angela Glajcars bisherigem Lebenswerk gewidmet ist. Eine zweite Ausstellung entsteht in der Galerie im Kameralamt, wo die Nachwuchskunstschaffenden arbeiten.


Die programmatische Ausrichtung auf Zeichnung und Papierkunst knüpft konsequent an das Profil der Galerie Stihl Waiblingen an: Seit 2008 bietet das Ausstellungshaus bei Stuttgart Raum für die vielfältigen faszinierenden künstlerischen Ansätze auf oder aus Papier. Vor diesem Hintergrund versteht sich Waiblingen als ein bedeutender Ort der Reflexion und Weiterentwicklung zeitgenössischer Papierkunst und lädt das Publikum ein, das Medium in seiner ganzen Vielschichtigkeit neu zu entdecken.
Ablauf des Stipendiums in zwei Phasen:
Sechswöchige Atelierphase (15. Juni – 24. Juli 2026)
Der Ablauf des Stipendiums ist in zwei Phasen unterteilt: Ab dem 15. Juni 2026 beziehen die vier Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers und der künstlerische Arbeitsprozess beginnt. Hauptstipendiatin Angela Glajcar bespielt die Ausstellungshalle der Galerie Stihl Waiblingen, während die Nachwuchsstipendiatinnen und -stipendiaten ihre Projekte in den historischen Räumen der Galerie im Kameralamt, beide unweit des Marktplatzes, realisieren. An ausgewählten Tagen (mittwochs von 16-19 Uhr am 24. Juni, 1. Juli, 7. Juli und 17. Juli) öffnen die Ateliers ihre Türen: das Publikum erhält Einblick in beide Arbeitsorte und kann den sonst nur selten zu beobachtenden Entstehungsprozess eines Werkes bzw. einer Ausstellung aus nächster Nähe verfolgen sowie mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen.
Ausstellungsphase (25. Juli – 18. Oktober 2026)
Den Höhepunkt des Stipendiums bilden zwei Ausstellungen, die am 24. Juli 2026 parallel eröffnet werden: Die Galerie Stihl Waiblingen präsentiert die erste umfassende monografische Werkschau der Papierbildhauerin Angela Glajcar in Deutschland. Anhand von neun Werkgruppen entfaltet sich ein eindrucksvolles Panorama ihres über zwei Jahrzehnte gewachsenen Œuvres. Angela Glajcar, ausgebildet an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, entwickelt Papier im Rahmen ihres bildhauerischen Schaffens vom vorbereitenden Material zu einem eigenständigen skulpturalen Ausdrucksträger weiter. Durch Reißen, Schichten und Formen entstehen Werke von großer räumlicher Präsenz, die das Wechselspiel von Licht und Schatten ebenso thematisieren wie die poetische Kraft der Reduktion. So reflektiert die Schau unter dem Titel Not a cruise, a crossing Glajcars künstlerisches Vorgehen, das sie nicht als zufällige Reise, sondern als bewusstes, zielgerichtetes Voranschreiten begreift. In diesem kontinuierlichen Prozess erschließt die Künstlerin immer neue Möglichkeiten des Papiers als künstlerischem Material und erweitert beständig ihren gestalterischen Horizont. Ein weiterer Höhepunkt sind die beiden eigens für die Ausstellungshalle während der Atelierphase gefertigten, etwa 10 Meter langen und raumhohen Installationen, die in einen intensiven Dialog mit der einzigartigen Architektur des Galeriegebäudes treten.
Parallel zu Angela Glajcar. Not a cruise, a crossing zeigt die Galerie im Kameralamt die erst im Laufe des Atelierprozesses entstehenden Arbeiten der Nachwuchsstipendiatin Aleida van Dijk (Niederlande) sowie der Nachwuchsstipendiaten Rodrigo Arteaga (Chile) und Kuan Lin Chen (Taiwan). Trotz des gemeinsamen Materials unterscheiden sich ihre künstlerischen Ansätze deutlich: Aleida van Dijk verbindet monumentale Zeichnungen, raumgreifende Papierarbeiten und multimediale Formate und begreift die Natur zugleich als Motiv und Experimentierfeld. Rodrigo Arteaga untersucht Papier als wandelbares Ausdrucksmittel und verortet es in spannungsreichen Kontexten zwischen Kultur und Natur. Kuan Lin Chen nähert sich dem Material aus fotografischer Perspektive und erforscht dessen soziale und materielle Geschichte von der Ressource bis zum Träger von Erinnerung.
Publikation und vielseitiges Begleitprogramm
Ausstellungsbegleitend erscheint Ende August im Verlag für moderne Kunst eine umfangreiche, reich bebilderte Publikation mit In-situ-Aufnahmen und einem Vorwort von Dr. Anja Gerdemann, Leiterin der Galerie Stihl Waiblingen und Kuratorin der Ausstellung, einem Essay von Elsy Lahner, Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Albertina in Wien, sowie Interviews mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern.
Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm begleitet beide Phasen des Stipendiums und eröffnet dem Publikum die Möglichkeit zur direkten Begegnung mit den Künstlerinnen und Künstlern sowie zur vertieften Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Tendenzen internationaler Papierkunst. Ein besonderes Highlight ist das Paper Weekend am 19./20. September 2026 mit Workshops für Kinder und Erwachsene mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten, Führungen, Tanzperformances und einer Podiumsdiskussion.