Mit dem Schmela-Haus entstand in Düsseldorf 1971 ein Stück Kunst- und Architekturgeschichte.
Nur einen Steinwurf von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf entfernt liegt in der Mutter-Ey-Straße ein Unikum deutscher Nachkriegsarchitektur. Eingezwängt zwischen Parkhaus und Kommödchen steht hier das für Alfred Schmela errichtete Galeriehaus, 1967 entworfen vom niederländische Architekten Aldo van Eyck. Es ist sein einziges Bauwerk in Deutschland und gleichzeitig das erste speziell für die Nutzung als Galerie entworfene Gebäude auf deutschem Boden.
Alfred Schmela zählt zweifellos zu den bedeutendsten Kunsthändlern der Nachkriegszeit, der späteren Großkünstlern wie Joseph Beuys, Gerhard Richter oder auch Jean Tinguely frühzeitig Ausstellungen in seiner Galerie ermöglichte. Sein "Riecher" war legendär und allseits anerkannt: die Düsseldorfer Kritikerin Anna Klapheck bemerkte 1966 in der Rheinische Post: "wenn er sagt 'jutes Bild', dann stimmt das auch." Zur Eröffnung seines ersten Galeriestandorts in der Düsseldorfer Hunsrückenstraße zeigte Schmela am 31. Mai 1957 den damals noch unbekannten Yves Klein. In den Folgejahren avancierte Schmelas Galerie zu einem Hotspot der Avantgardekunst, der Zug um Zug den deutschen Kunstmarkt für zeitgenössische Positionen dies- und jenseits des Atlantiks öffnete. Und so liest sich der Liste der Künstler (ja, es waren ausschließlich Männer), die bei Schmela ihre erste Einzelausstellung in Deutschland feierten wie ein "Who is Who" der Nachkriegskunst: Sam Francis (1958), Konrad Klapheck (1959), Lucio Fontana (1960), Arnulf Rainer (1962), Morris Louis (1962), Hans Haacke (1965) und Joseph Beuys (1965) sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Zur Eröffnung seiner Ausstellung am 26.11.1965 inszenierte Beuys die Aktion "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt", heute Inbegriff seiner Kunst und bekannt weit über die Grenzen der Kunstwelt hinaus.

Doch rund 10 Jahre nach Eröffnung der Galerie in der Hunsrückenstraße kam es, wie es angesichts der nur 9 mal 3 Meter messenden Ausstellungsräume kommen musste: vom 9. bis zum 15. Dezember 1966 wurde mit großem Bahnhof die Schließung der Galerie für eine einjährige Kunstpause gefeiert. An sieben aufeinanderfolgenden Abenden sagten Schmelas Künstler Otto Piene, Sigmar Polke, Konrad Lueg, John Latham, Gerhard Richter, Heinz Mack und Joseph Beuys im Rahmen der "Hommage an Schmela" den Räumlichkeiten "Adieu". Bereits im März hatte Schmela mit Aldo van Eyck Kontakt aufgenommen und ihn um den Entwurf für ein Galeriehaus gebeten. In diesem sollten Privates und Öffentliches ineinander übergehen, ganz so, wie Schmela es mochte. Dass aus dem temporären Umzug der Schmela-Familie in eine große Wohnung am Luegplatz ein fünfjähriges Zwischenspiel werden sollte, ahnten die Beteiligten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Warum sich Schmela allerdings an den Niederländer Van Eyck wandte und nicht einen der zahlreichen modernen Architekten in Düsseldorf beauftragte, liegt bis heute im Unklaren. Zwar war Van Eyck verschiedentlich als Ausstellungsgestalter tätig geworden und hatte mit dem Skulpturenpavillon für die 5. Internationale Skulpturenausstellung im Sonsbeek Park in Arnheim 1966 ein herausragendes Bauwerk geschaffen, aber seine Wahl liegt, retrospektiv betrachtet, dennoch nicht unbedingt auf der Hand. Viele Jahre nach Schmelas Tod erinnerte sich der Düsseldorfer Architekt Wolfgang Döring an folgende Aussage des Galeristen: "Das Haus muss ein Holländer bauen, sonst kann ich keine Bilder mehr dorthin verkaufen." Vielleicht war der Grund für seine Architektenwahl doch so einfach …



Außen einfach, innen komplex
Steht man heute vor dem Schmela-Haus, wirkt Van Eycks Entwurf fast ein wenig hermetisch. Lediglich eine doppelflügelige Glastür, die seit Zamp Kelps Umbau zwischen 1999 und 2000 die frühere Hofeinfahrt verschließt, und die ursprüngliche Eingangstür verweisen auf potenziellen Publikumsverkehr. Der Entwurf stand ganz im Zeichen der inneren Werte und so tut sich hinter den Türen eine ganz eigene Welt auf, die sich entschieden vom bauzeitlichen Trend des "White Cube" abhebt: statt weißer Wände dominieren Betonsteine und -Decken und statt heller Weite prägen labyrinthische Räume die Atmosphäre. Neutral ist das alles nicht, sondern in hohem Maß individuell. Daher verwundert es auch nicht, dass der primäre Ausstellungsraum im Untergeschoss liegt und mit seiner komplexen Struktur eine echte Herausforderung für Künstler*innen darstellt. Eine hohe Stufe teilt den Raum in zwei Teile, während eine der Seitenwände nur halbhoch ist und zum Treppenabsatz hin weiter abfällt. Doch was zunächst für das Hängen klassischer Tafelbilder unpraktisch erscheint, gewinnt in der Rückschau auf Schmelas Ausstellungspraxis an Sinnhaftigkeit: da neben den klassischen Disziplinen Malerei, Zeichnung und Skulptur auch Aktionen, Installationen und Filme zum Kernprogramm der Galerie gehörten, bot der große Raum in seiner Vielschichtigkeit mannigfaltige Möglichkeiten zur künstlerischen Entfaltung. Gleich zur Eröffnung der Galeriehauses im September 1971 nutzte "Hauskünstler" Joseph Beuys die Gelegenheit, mit "Barraque d'Ull Odde, 1961-67" eine raumgreifende Installation zu präsentieren und diese mit Videos seiner Aktion "Celtic" zu flankieren. "Barraque d'Ull Odde, 1961-67" war damals übrigens laut Düsseldorfer Nachrichten zum Preis von 115.000 DM zu erwerben.
Van Eycks Traum vom Vogel
Ein weiteres exzentrisches Detail des Hauses ist sicherlich der Glaszylinder: er durchzieht das Haus von der Hälfte des Untergeschosses bis ins zweite Obergeschoss und war vom Architekten ursprünglich als innen und außen verbindender Luftraum vorgesehen war. Van Eyck träumte davon, dass ein Vogel, der durch den Eingang hineinfliegt, unterhalb des obersten Geschosses wieder hinausfliegen würde. Der durchaus experimentierfreudige Schmela ging hier jedoch nicht mit und ließ den Zylinder im zweiten Obergeschoss schließen. Diesen Eingriff nahm ihm der Architekt noch Jahrzehnte später übel und kommentierte die Entscheidung in seinem Werkverzeichnis entsprechend.
Dass Schmela letztlich nie in sein Galeriehaus einzog und so die angestrebte Verbindung von Öffentlichem und Privatem vollendete, fällt angesichts der zu Lebzeiten permanenten Präsenz des Galeristen kaum ins Gewicht. Ihm diente das erste Obergeschoss gleichermaßen als Ausstellungsraum und Büro, in dem er die besten Werke präsentierte, Sammler empfing und das Treiben im Haus überblickte. Bis zu seinem frühen Tod 1980 zeigte Schmela in der Mutter-Ey-Straße neben Ausstellungen von u. a. Günther Uecker, Gotthard Graubner, Klaus Rinke, Erwin Heerich, Eduardo Chillida und immer wieder Joseph Beuys auch Künstlerinnen wie Eva Aeppli, Monika Baumgartl und Michelle Stuart.
Ein herausforderndes Denkmal
Nach Schmelas Tod führten seine Witwe Monika und die gemeinsame Tochter Ulrike die Galerie weiter, mussten das Schmela-Haus jedoch zwischen 1992 und 2002 aus familiären Gründen unbespielt lassen. Als Ulrike Schmela-Brüning 2004 permanent in das Haus einzog, war es in der Zwischenzeit bereits als Baudenkmal eingetragen worden und diente ihr bis 2008 als Domizil und Galerie. Seit 2009 ist die Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Mieterin und nutzte das Schmela-Haus bis 2019 als dritten Düsseldorfer Ausstellungsort. Im Sommer 2020 bezogen die Galerien von Hans und Max Mayer hier Quartier und Max Mayer blieb nach dem Tod seines Vaters 2022 weiterhin Mieter des Hauses. Im März 2025 übersiedelte Max Mayer mit seiner Galerie nach Berlin und verließ nach 5 Jahren im Schmela-Haus Düsseldorf.
Aktuell gibt es laut Auskunft der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen schon Überlegungen für die zukünftige Nutzung. Zu hoffen ist, dass das 2020 ausgegebene Ziel der Nutzung als Ausstellungsgebäude weiterhin Bestand hat. Zweifellos stellt die Architektur hohe Anforderungen an Kunst und Kuration, weshalb es eines umso durchdachteren Nutzungskonzeptes bedarf. Angesichts des kunst- und architekturgeschichtlichen Ranges des Schmela-Hauses steht zu hoffen, dass man diesem auch zukünftig gerecht wird.