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Farbe! Farbe!

Der Skulpturenpark Waldfrieden zeigt die Lackarbeiten des Wuppertaler Arbeitskreises.

Mit der Ausstellung Farbe! Farbe! zeigt der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal ab dem 12. September 2026 rund 100 Lackarbeiten des Wuppertaler Arbeitskreises und bringt damit die Farbstudien von Willi Baumeister (1889–1955), Franz Krause (1889–1979) und Oskar Schlemmer (1888–1943) zurück an den Ort ihres Entstehens.

Der Wuppertaler Lackfabrikant Kurt Herberts (1901–1989) gründete 1937den Wuppertaler Arbeitskreis zur Erforschung von Maltechniken mit Lack und den künstlerischen Anwendungsmöglichkeiten moderner Farbstoffe. Durch die Vermittlung des Architekten Heinz Rasch (1902–1996) beauftragte Herberts die im Nationalsozialismus aus ihren Lehrämtern entlassenen Künstler Willi Baumeister und Oskar Schlemmer, sowie den Architekten und Künstler Franz Krause, der zuvor als Bauleiter der Stuttgarter Weißenhofsiedlung tätig war. Baumeister, Krause und Schlemmer bildeten den Kern des Wuppertaler Arbeitskreises, der bis 1944 bestand. In einem eigens eingerichteten Maltechnikum in Elberfeld fertigten die Künstler hunderte Versuchstafeln für die Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co.

Die Tafeln, zumeist in kleinem Format, sind größtenteils zwischen 1940 und 1942 entstanden. Der experimentelle Umgang mit Farbe in Reaktion auf ihren Bildgrund oder Träger formte dabei die Basis der praktischen und theoretischen Studien. Techniken des Tropfens, Fließens und Sprühens von Farbe wurden erprobt und Oberflächenstrukturen durch die Arbeit mit etwa Sand und Feuer bearbeitet. Die stark gestisch geprägten Gestaltungsweisen des Wuppertaler Arbeitskreises gehen dabei dem Abstrakten Expressionismus und Informel voraus.

Die erhaltenen Lackarbeiten des Wuppertaler Arbeitskreises konnten in den 2000er-Jahren durch den Freundeskreis des Kunstmuseums Stuttgart erworben und dem Sammlungsbestand des Museums übergeben werden. Aus diesen Beständen zeigt der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal rund 160 Lacktafeln in der unteren Ausstellungshalle des Parks. Sie werden begleitet von Oskar Schlemmers Lackkabinett, das der Künstler 1941 konzipierte: Durch die posthume Rekonstruktion und Ausarbeitung seiner Pläne ist es in der Schau begehbar und räumlich erfahrbar.

Mit Farbe! Farbe! werden die Lackarbeiten des Wuppertaler Arbeitskreises erstmals im ehemaligen Umfeld ihres Ermöglichers Kurt Herberts ausgestellt: Denn nachdem das Haus, das Herberts 1940 in Waldnähe als privaten Wohnsitz erworben hatte, im Krieg zerstört wurde, ließ er es von Franz Krause wieder aufbauen und im organischen Baustil als Villa Waldfrieden ausgestalten.

Mit Farbe! Farbe! werden die Lackarbeiten des Wuppertaler Arbeitskreises erstmals an einem Ort gezeigt, der eng mit ihrem Ermöglicher Kurt Herberts verbunden ist. Nachdem sein 1940 am Hesselnberg erworbenes Wohnhaus im Krieg zerstört worden war, ließ Herberts an derselben Stelle die von Franz Krause entworfene Villa Waldfrieden errichten. Sie entstand zwischen 1946 und 1949 und steht auf dem rund 15 Hektar großen Gelände, das heute den Skulpturenpark Waldfrieden bildet.

Biografien

Willi Baumeister (geboren 1889 in Stuttgart, gestorben 1955 ebenda) war Maler, Zeichner, Typograf, Bühnenbildner und Kunsttheoretiker. Zunächst ausgebildet zum Dekorationsmaler, nahm Baumeister ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart auf, wo er Freundschaft mit Oskar Schlemmer schloss, und ergänzte sein Studium um einen Aufenthalt am Cercle International des Beaux-Arts in Paris. Anfang der 1920er-Jahre erlangte er als freier Künstler international Aufmerksamkeit, so durch seine konstruktivistischen Mauerbilder, in denen er das Verhältnis von Mensch und Maschine thematisierte. 1928 erhielt Baumeister eine Professur an der Städelschule in Frankfurt am Main, die ihm 1933 durch das NS-Regime entzogen und seine Kunst – auch durch Ausstellungsverbot – diffamiert wurde. Im Rahmen des Wuppertaler Arbeitskreises fertigte er Versuchstafeln für die Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co. 1946 erfolgte der Ruf zum Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er bis 1955 lehrte. Er war zeitlebens Mitglied in zahlreichen Künstler*innen-Vereinigungen, darunter Abstraction-Création.

Franz Krause (geboren 1897 in Hemmoor, gestorben 1979 in Wuppertal) war Architekt, Innenarchitekt und Maler. Krause studierte an den Technischen Hochschulen in Darmstadt und Stuttgart Architektur. Seine frühen Arbeiten und Entwürfe sind von einer organischen sowie auf Rastern basierenden Formensprache geprägt, wie zum Beispiel sein Entwurf für ein wabenförmiges Café für die Bauausstellung 1924 oder Wandkonstruktionen, die einem der Natur entlehnten Lamellen-Prinzip folgen. Bekannt wurde er 1926/1927 als Bauleiter der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, wo er mitunter auch die Geländeaufteilung und die Wegeführung gestaltete. Ab 1937 arbeitete Krause in Wuppertal im Umfeld des Lackfabrikanten Kurt Herberts: Im Rahmen des Wuppertaler Arbeitskreises fertigte er Versuchstafeln für die Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co., gestaltete Möbel und entwarf für Herberts zwischen 1946 und 1949 die Villa Waldfrieden. Von 1951 bis 1956 lehrte er als Dozent an der Werkkunstschule Wuppertal.

Oskar Schlemmer (geboren 1888 in Stuttgart, gestorben 1943 in Baden-Baden) war Maler, Bildhauer, Grafiker, Bühnenbildner und Choreograf. Nach einer Ausbildung zum kunstgewerblichen Zeichner in der Stuttgarter Intarsienwerkstatt Wölfel & Kiesling, studierte Schlemmer an der Kunstakademie Stuttgart, wo er Freundschaft mit Willi Baumeister schloss. Als freier Maler setzte er sich in den frühen 1910er-Jahren mit dem Kubismus auseinander. Das Verhältnis des Menschen zum Raum und seine Position in der modernen Welt standen im Mittelpunkt seiner Arbeit, in der er Malerei, Skulptur, Tanz und Bühne zusammendachte. 1920 wurde er an das Bauhaus nach Weimar berufen. Weitreichend bekannt wurde er durch das 1922 in Stuttgart uraufgeführte Triadische Ballett. Mit Umzug des Bauhauses führte er seine Lehre in Dessau fort. 1929 folgte ein Ruf an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau, 1932 an die Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin. 1933 wurde Schlemmer die Professur durch das NS-Regime entzogen, seine Arbeiten bereits zuvor zerstört, diffamiert und mit Ausstellungsverbot belegt. Im Rahmen des Wuppertaler Arbeitskreises fertigte er Versuchstafeln für die Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co., daraus gingen 1941 Entwürfe für ein Lackkabinett hervor.


Skulpturenpark Waldfrieden
Hirschstraße 12
42285 Wuppertal
https://skulpturenpark-waldfrieden.de/

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