Willi Baumeister, Der Läufer, 1934. Ausstellungsansicht "Vom Werk zum Display". Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart. © Kunstmuseum Stuttgart / VG Bild-Kunst, Bonn 2024 für Willi Baumeister. Foto: Gerald Ulmann, Stuttgart
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Vom Werk zum Display

Ein innovatives Digitalprojekt der Kunsthalle Mannheim und des Kunstmuseums Stuttgart

Wie können Kunstwerke im digitalen Raum in ihrer einzigartigen Qualität vermittelt werden? In dem gemeinsamen Forschungsprojekt „Vom Werk zum Display“ entwickelten die Kunsthalle Mannheim und das Kunstmuseum Stuttgart innovative digitale Präsentationsformen für Kunstwerke beider Sammlungen. Ausgewählt wurden 22 Werke aus den Gattungen Skulptur, Malerei, Grafik und Installation vom 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten. Dabei erforderte jedes Kunstwerk eine eigene und zunächst unvorhersehbare Herangehensweise. Entstanden sind 22 Episoden, die den Werken so nah wie möglich kommen, ohne sie zu überformen. Je nach Eigenheit des Werkes wurden experimentelle, spielerische oder wissenschaftliche Zugänge geschaffen. Für die Museen ist das Projekt zugleich ein wichtiges Experimentierfeld für die Herausbildung eines digital-kuratorischen Instrumentariums.

Entdecken Sie in den beiden Museen vor Ort je 11 Digitalstelen in direkter Nachbarschaft zu den Originalen oder erkunden Sie unterwegs und zu Hause die gesamte Anwendung auf eigenen Geräten. „Vom Werk zum Display“ ist eine Internetanwendung, die Sie mit allen gängigen Browsern nutzen können.

In der Kunsthalle Mannheim wurde unter anderem Édouard Manets Werk „Die Erschießung Kaiser Maximilians“ (1868–69) aus der eigenen Sammlung mit drei weiteren Versionen aus Museen in Boston, London und Kopenhagen virtuell überlagert. Durch die Übersetzung ins Digitale wird die Entwicklung der Bildkomposition unmittelbar ersichtlich und nachvollziehbar. Das kinetische Objekt „Kurbelwald“ (1991) von Ernst Reinold, welches für gewöhnlich in einem Museum von Besucher*innen nicht berührt werden darf, lässt sich nun auf einem Bildschirm in Bewegung setzen. Auch die Installation „Resonanz Raum“ (2020) von Nevin Aladağ erhält in der Kunsthalle eine digitale Transformation mittels derer Nutzer*innen Musik nicht nur hören können, sondern auch in der Lage sind diese selbst zu mischen. Hinterlegt mit einer Hörcollage aus futuristischen Manifesten kommen Betrachter*innen der Bronzeskulptur des Künstlers Umberto Boccioni in der digitalen Anwendung so nahe, wie es bei dem Original nie zulässig wäre: Rangezoomt bis unmittelbar auf die Oberfläche verwandelt sich die futuristische Figur in eine futuristische Landschaft.

Im Kunstmuseum Stuttgart können Besucher*innen an dem Gemälde „Der Bachsänger (Helge Lindberg)“ (1916) von Johannes Itten das Zusammenspiel von Kontrastwirkungen und Raumtiefe über Farb- und Formbeziehungen interaktiv erforschen. Die mehrschichtigen Erzählungen in Otto Dix’ Triptychon „Großstadt“ (1927/28) werden durch ein Avatar-basiertes Storytelling erfahrbar gemacht: Die Figuren, virtuell zum Leben erweckt, berichten von dem im Bild dargestellten Geschehen aus jeweils eigener Perspektive. Auf einem digitalen Artboard lassen sich einzelne Elemente aus den rätselhaften Gemälden von Mona Ardeleanu zu eigenen Collagen kombinieren, wodurch neue Kunstwerke entstehen, die jedoch zugleich unverkennbar den Stil der Künstlerin haben. Durch die Überführung ins Digitale ist die „Langstreckensonate“ von Dieter Roth erstmals so zu hören, wie vom Künstler beabsichtigt: Der in die Assemblage „Lorelei“ (1978) integrierte Kassettenrekorder ist derart manipuliert, dass Kassetten und Radio gleichzeitig abgespielt werden.

Möglich wurde dieses auf mehrere Jahre angelegte Vorhaben durch die Förderung im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes.

https://werk-zum-display.art

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